Sensible Spiegel und verschränkte Quanten

Bildquelle: Pixabay

Bildquelle: Pixabay

Spiegelneuronen, Hochsensibilität und Quantenverschränkung – was hat das denn miteinander zu tun?

Die Antwort ist ganz einfach: In keinem der Bereiche bin ich auch nur ansatzweise ein Experte. Das wird mich jedoch nicht davon abhalten, darüber nachzudenken – im Gegenteil. Gleichzeitig würde es mich freuen, dazu mit anderen Menschen – von nichtsahnend, neugierig, interessiert und entdeckungsfreudig bis sehr erfahren in mindestens einem der drei Gebiete – in den gedanklichen Austausch über mögliche Überschneidungen und Verknüpfungen zu kommen. Ein Buch könnte später der mögliche „Output“ sein, vielleicht sind es auch die Dialoge selbst (als Interviews für ein solches Buch, in Form von Live-Gesprächen mit einem interessierten Publikum, neugierigen Mitdenkerinnen und Mitdenkern etc.).

Doch wieso, weshalb und warum werden diese drei Dinge in Verbindung gebracht? Auch hier ist die Beantwortung erneut sehr simpel: Weil irgendetwas zwischen Bauch und Hirn mir laut & deutlich sagt, dass es sich lohnt. Dass hier Querverbindungen zwischen drei – mindestens auf den ersten Blick – ganz verschiedenen Themenfeldern bestehen, die es zu erkunden und zu hinterfragen gilt.

Spiegelneuronen

Spiegelneuronen bilden ein Resonanzsystem in unserem Gehirn, sind ab dem 3. bis 4. Lebensjahr voll entwickelt und ein wichtiger Bestandteil unseres emotionalen Lernsystems. Diese speziellen Nervenzellen wurden bisher nur bei Primaten entdeckt. Eher zufällig “als Nebeneffekt” stieß 1996 eine italienische Forschergruppe um den Neurophysiologen Giacomo Rizzolatti auf diesen Bestandteil unseres Gehirnapparats. Spiegelneuronen veranlassen uns dazu, die Empfindungen unseres Gegenübers im gleichen Maß spüren zu können, als würden wir sie selbst erleben. Ein bekanntes Beispiel ist das eigene Gähnen, wenn wir einen gähnenden Menschen sehen, vielleicht nur hören oder ihn uns lediglich vorstellen. (Achtung, Ansteckungsgefahr: Manchmal funktioniert das auch mit einem Lächeln.) Bisher unbewiesen ist, ob es sich dabei um eine echte Form des Mitgefühls oder lediglich ein unbewusstes Nachahmen handelt. Imitation oder Empathie? Das hat die Wissenschaft bislang noch nicht herausfinden können.

Hochsensibilität

Besonderes Feingespür oder akute Dünnhäutigkeit? Mit Hochsensibilität oder Hochsensitivität wird ein Phänomen aus dem Bereich zwischen Psychologie und Neurophysiologie beschrieben, bei dem manche Menschen eine weitaus höhere Empfindsamkeit für Sinnesreize und Emotionen als andere aufweisen. Sowohl die Bandbreite als auch die Tiefe von Wahrnehmungen ist dabei deutlich ausgeprägter. Häufig ist es für hochsensible Personen (HSP) nicht einfach, die eigenen Empfindungen von ihrer Wahrnehmung der Stimmungen bei anderen Menschen zu differenzieren. Der Bereich der Hochsensiblität ist bisher nur wenig erforscht. Man geht heute davon aus, dass ca. 15 Prozent der Bevölkerung diese Eigenschaften haben.

Quantenverschränkung

Als Quantenverschränkung wird der Effekt bezeichnet, dass zwei räumlich voneinander entfernte Elementarteilchen Informationen ohne messbare zeitliche Verzögerung austauschen. Verändert das eine Teilchen seinen Spin, so reagiert das mit ihm verschränkte Teilchen “instantan”, also ohne einen messbaren Zeitverzug. Man kann also nicht einmal wirklich von einer echten “Reaktion” sprechen – vielmehr ist es ein komplett zeitsynchrones Verhalten. Einstein nannte es eine “spukhafte Fernwirkung”. Andere Wissenschaftler sprachen später von “verborgenen Variablen”, die wiederum einem “lokalen Realismus” unterworfen seien. Hinsichtlich der mathematisch-physikalischen Durchdringung stoße ich – mit gefühlter Lichtgeschwindigkeit – sofort an meine geistigen Grenzen. Kenntnisse in der Bra-Ket-Notation. Ja, ich gestehe: Diese habe ich ganz eindeutig überhaupt nicht. Gleichermaßen sind mir Hilbert-Räume und auch Orthonormalbasen ein Rätsel. Und das darf gerne genau so sein (und bleiben).

Gibt es hier Querverbindungen?

Zwei Photonen desselben Atoms reagieren ohne jegliche Zeitverzögerung aufeinander, selbst wenn sie kilometerweit voneinander entfernt wurden? Haben Quarks, Ionen, Bosonen & Co. auch Spiegelneuronen oder gibt es eine andere Verbindung zwischen ihnen? Sind sie im höchsten Maße hochsensibel und empathisch? Falls ja, ist dieser Effekt der “Intersubjektivität“ auf Quantenebene das Pendant zu dem der gespiegelten Neuronen in unserem Gehirn?

Im Bereich der Hochsensibilität ist es für viele “betroffene” Menschen ein innerer Aha-Effekt, wenn sie verstehen, dass viele der von ihnen wahrgenommenen Gefühle gar nicht ihre eigenen sind. Dass sie vielmehr im hohen Maß die Emotionen ihrer Umwelt spüren – und diese oftmals als ihre eigenen empfinden. Möglicherweise besteht hierbei auch gar kein direkter Unterschied zwischen “mein” und “dein”. Genau so, wie sich auch verschränkte Teilchen verhalten, als wären sie keineswegs voneinander getrennt, sondern als Teile eines Gesamtsystems direkt miteinander verbunden.

Als “Dekohärenz” wird das Phänomen bezeichnet, dass quantenmechanische Effekte äußerst fragil sind und starke Wechselwirkungen mit ihrer Umgebung aufweisen. Solch eine “Reizoffenheit“ wird auch als Charakteristikum von hochsensiblen Menschen beschrieben. Sind also auch die allerkleinsten Teilchen ganz besonders empfindsam und sensibel? Und wenn ja, warum sollten wir es dann als Baukastensystem aus eben diesen Elementen nicht ganz genauso sein?

Spätestens ab hier begebe ich mich sehr bewusst in den Bereich der reinen Spekulation. Sind bei hochsensiblen Personen die Spiegelneuronen besonders ausgeprägt? Oder läuft da vielleicht etwas auf Quantenebene, tief in der Mikrowelt? Und ganz eventuell handelt es sich dabei auf dieser “physikalisch untergeordneten Ebene” um eine Form der “emotionalen Quantenverschränkung”? Möglicherweise befinden sich (gelegentlich) auch Menschen wie Schrödingers Katze in einer sogenannten “Superposition”, nehmen also erst dann einen konkreten Zustand an, sobald eine “Messung” erfolgt, und beeinflussen damit möglicherweise ein mit ihnen verschränktes (gespiegelt-verbundenes) Pendant?

“Komplementarität” nennt sich ein physikalisches Prinzip, bei dem mehrere Zustände parallel existieren, die sich eigentlich gegenseitig ausschließen. Besonders bemerkenswert ist es, dass die moderne Physik die Phänomene der Quantenverschränkung zwar durch Experimente messen – sie aber nicht erklären kann. Wo genau fängt Esoterik an, wo hört die Wissenschaft auf? Oder sind beide miteinander verschränkt und höchstsensibel?

Und so hoffe ich, dass Sie die Natur akzeptieren können, wie sie ist – absurd." (Richard Feynman, Physik-Nobelpreisträger)

"Bewusstsein ist ein Rätsel. Quantenphysik ist ein Rätsel. Wenn man zwei Rätsel hat, sind sie vielleicht in Wirklichkeit nur eins." (David Chalmers, Philosoph)

Weitere spekulative oder auch absurde Gedanken ebenso wie fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse zu einer möglichen Verbindung von Quantenverschränkung, Hochsensibilität und Spiegelneuronen (die ich zumindest bislang nicht kenne) sind hierzu ebenso willkommen wie rätselhafte Mutmaßungen, wilde und wundersame Theorien. Mal schauen, was sich daraus entwickelt. Vielleicht gar nichts, dann war’s bis hierher zumindest ein sehr charmantes Gehirnjogging. Und falls doch, dann freue ich mich jetzt schon und bin wirklich sehr neugierig.

Dreiklang.jpeg