Gottseidank: Konfusion, Austausch und Verbundenheit

 

Was ein bisschen Blasphemie, 500 Nullen, Sternenstaub, Quanten und Bananen womöglich mit Menschsein, New Work und besserem Miteinander zu tun haben

 
Bildquellen: Pixabay

Bildquellen: Pixabay

Am Anfang war bekanntlich das Wort. Und davon folgen gleich noch weitere. Nein, Gott ist nicht allmächtig. Das geht gar nicht. Allgegenwärtig? Jawoll. Allmacht dagegen? Nee. Was Macht wirklich bedeutet, das ist wohl für jeden Menschen sehr verschieden. Und für die Natur? Der ist das ganz egal. Jedenfalls in dem Sinne, wie viele Menschen Gott verstehen (wollen). Und Macht.

Denn die Natur hat kein Ego. Und eben dieses individuelle und oft so ungezügelte Ego vieler Menschen verleiht Gott solche Macht. Macht ihn genau zu etwas, das er – oder Er? – nicht ist. (Und vielleicht will Er/Sie/Es diese verliehene Macht auch gar nicht haben. Hat mal jemand Gott dazu befragt?) Jedenfalls nach meinem Verständnis, das vielmehr ein Gefühl ist. Oder ein Glaube. Glaube ich jedenfalls.

Falls Macht von „machen“ kommt, zumindest in der deutschen Sprache, welche Form ist dann gemeint – Ausführen oder Erschaffen? Wäre Gott als Macher dann Vollzugsbeamter oder Erfinder (jeweils w/m/d)? Routiniert und pflichtgetreu oder innovativ und kreativ? Im Erkennen und Differenzieren dieser Ambidextrie („Beidhändigkeit“) liegt heute im Kontext von #NewWork ein wichtiger Lern-, Innovations- und Überlebensaspekt für Organisationen, vielleicht gilt das nicht nur im rein beruflichen Arbeitsrahmen, sondern auch für die Menschheit insgesamt?

Und falls es doch um Allmacht geht: Wer hat ihm/ihr (Gott) eigentlich die Legitimation zum Machendürfen gegeben? Waren wir das? Unser Ego? Er, Erwin oder Erika? Ego oder Egon? Ist Gott am Ende gar nicht demokratisch gewählt worden, sondern ein fieser Diktator, der sich für gottgleich hält? Oder wurde Er/Sie/Es erwählt von Gottes Gnaden, was bei näherer Betrachtung schon wirklich sehr selbstbezogen und echt egozentrisch wäre?

Okay, kurz durchatmen. Volle Kanne und chaotisch rein in Religion und mögliche Gotteslästerung, gleichzeitig noch eine flinke Annäherung zu (macht-) politischen Themen sowie Buzzwords aus der Businesswelt reingeworfen: Das war mal ein ehrgeiziger Small-Talk-Einstieg, jetzt gibt’s kein Zurück mehr.

MENSCHLICHKEIT ÜBERALL UND ÜBER ALLES?

In der Wissenschaft ist es schwer verpönt, für Forscherinnen und Forscher seit langem ein Tabu, das Verhalten von Tieren mit dem von Menschen in Relation zu setzen, ihnen also – vor allem: ungefragt – „menschliche“ Gefühle, Intentionen, Denk- und Verhaltensweisen zu unterstellen. In Fabeln finde ich das vollkommen fein, da haben diese humanen Zuschreibungen wohl auch einen anderen Sinn. Oder ist’s im Endeffekt derselbe?

Anthropomorphismus schließt jedoch nicht nur die Vermenschlichung von Tieren, sondern das Zusprechen ganz menschlicher Eigenschaften auch auf Götter mit ein. Und andersherum? (Und wie steht es eigentlich mit Pflanzen? Immerhin haben wir 50 Prozent unserer DNA mit einer Banane gemein, von der bisher noch gar nicht die Rede war. Soviel an dieser Stelle schon zu #Diversity.)

Doch zurück zum Anthropomorphisieren von Gott und Göttern, zur göttlichen Vermenschlichung, die wohl auch eine menschliche Vergötterung beinhaltet. Denn es wird stets von Er und Ihm gesprochen, als wäre Gott ein ebensolcher. Der Typ (männlich) mit dem allumfassenden Plan. Mit weißem Bart und weisem Geist, da oben auf der Wolke. Oder das Mastermind behind the Scenes, das für alles den Grund und Sinn kennt. Weil Er ihn (Ihn?) sich ausgedacht hat. Irgendwann, vermutlich aus purer Langeweile. Oder Neugier. Dabei ist Gott nicht da oben, sondern überall, nichts anderes als die Natur selbst. Jedenfalls in meinem Weltbild. Pantheismus, Kosmotheismus, Spinozismus – ist mir alles weitaus lieber als der oftmals gottesfürchtige (!) Monotheismus, der sich in kollektiver Form von „die da oben“ auch in anderen Lebensbereichen fortsetzt – vor allem, wenn man über den oder die da oben ausgiebig schimpfen kann. Und ist Furcht eigentlich eine wirklich gesunde Lebensgrundlage? Ganz persönlich mag ich es, das Leben, weitaus angstfreier.

Auf dieser furchtlosen, möglichst freud- und friedvollen Basis geht’s weiter mit Führung und Verantwortung: Was sagt Gott eigentlich zu #CollectiveLeadership? Wenn jeder Mensch (zunächst, nicht ausschließlich) an sich selbst denkt, dann ist ja bekanntlich an jede/n gedacht. So könnte man oben auf der Wolke eigentlich ganz entspannt die Füße hochlegen. „God is everywhere“? Wie steht es damit? Denn dann sollte ja im Umkehrschluss genauso gelten, dass dieses Überall Gott ist – oder wie man ihn/sie/es auch immer nennen mag: Die Wolken am Himmel ebenso wie das Zirpen einer Grille. Die Liebe wie gleichermaßen Ärger und Wut. Der Hunger eines Tigers und ebenso das Spielen von Delphinen. Das gesamte Universum mit Milliarden von Galaxien voll Milliarden von Sternen wie auch jedes einzelne klitzekleine Elementarteilchen.

Das unendlich Große wie das unbeschreiblich Kleine: Dieser Blick kann gelegentlich gesund und hilfreich sein, um die eigene Perspektive dezent zurecht zu rütteln. Sich gleichzeitig für göttlich halten (und auch ein bisschen so benehmen, nämlich respektvoll) wie auch nicht ganz so wichtig nehmen angesichts der vielen Dimensionen, des geringen Alters der Menschheit gegenüber dem des Universums, der Vielzahl von Zellen und Teilchen, die uns tagtäglich am Laufen und Leben halten, ohne je ein „Dankeschön“ zu erhalten, beim Anblick all dieser Wunder der Natur, im Großen wie im Kleinen.

Ganz nebenbei: Bitte nicht das „everywhere“ mit #Mikromanagement verwechseln. Und wo wir schon bei Führungsprinzipien sind: Wie steht es eigentlich mit dienender Führung? „Herr, ich bin Dein Knecht und Diener“? Sollte man hier einen Rollentausch anstreben – vor allem, wenn man womöglich sein/e eigene/r Herr/in (und damit ein Teil von allem) ist, sein und bleiben möchte? Lässt man anarchisch alle Hierarchien einfach los und organisiert sich (selbst und als Gesellschaft) nach holokratischen Prinzipien voll und gänzlich neu? Oder geht’s auch anders?

GLEICHNISSE

„Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott.“ Als mir eines Tages klar wurde, dass diese Aussage keine Einbahnstraße, keine Kausalität von Aktion und resultierender Reaktion beschreibt, sondern vielmehr wie ein Spiegel oder eine Gleichung verstanden werden kann, also wie A x B = B x A: Da ging mir ein Licht auf, das ich mit dem Herzen wohl schon als kleiner Junge erkannt und begriffen hatte, für das mein Verstand jedoch vierzig Jahre gebraucht hat.

Früher: 
Hilf Dir selbst —> dann hilft Dir Gott.

Jetzt: 
Hilf Dir selbst = dann hilft Dir Gott.

Um das Buzzword-Bingo voranzutreiben: Ja, genau das nenne ich wahres #Empowerment. Setzt man dieses Denken mit dem Kommutativgesetz und leichten Anflügen aus der Algebra kurz fort als kleinen Exkurs zu Monotheismus und Führung, so ergibt sich mit „primus inter pares“ im Hinterkopf: Wenn man der Erste unter Gleichen ist, dann sind die anderen Gleichen ja auch allesamt Erste, wie spannend.

(Das Kommutativgesetz, das seinen Namen vom Lateinischen commutare für „vertauschen“ oder „umstellen“ bezieht, lässt sich übrigens auch auf Vektoren anwenden. Wenn es also um Ausgangspunkte, Richtungen und Wege geht – mathematisch, physikalisch und vermutlich gleichermaßen in anderen Bereichen des Lebens. Möglicherweise ist so etwas praktisch für Perspektivwechsel. Und die sind auch angesichts von Glaubenssätzen sehr empfehlenswert.)

VERANTWORTUNG

Gott ist gütig? Gerne. Gott ist zornig? Vielleicht. Es geht dabei nur sehr bedingt um die Frage von gut oder schlecht. Es ist immer richtig, so wie es ist. Denn es ist, wie es ist. Wäre es anders, wäre es anders. Wie wir Menschen dies und jenes, eine Situation, einen Moment, unser Leben betrachten und darauf reagieren, das ist unser Spaß, unsere Verantwortung, unsere Chance. Unser Leben.

Der Typ mit dem Plan: Danach sehnen sich so viele. Weil‘s einfach und bequem ist, wenn man die Verantwortung verlagern und sie sogar vollständig abgeben kann. Wenn Gott sich gut benimmt (alternativ auch Allah, Jehova und Kollegen), dann ist man erfüllt von Dankbarkeit. Und wenn es nicht so läuft, wie man sich das wünscht, dann ist Gott (bzw. siehe oben) ungerecht, unfair oder eben einfach blöd. Meine Verantwortung? Nein, danke, Deine.

Namaste, mit diesem Wort endet üblicherweise jede Yoga-Stunde. (Denn auch am Ende ist das Wort.) Nun bedeutet das im Sanskrit nicht soviel wie „Tschüss“, vielmehr heißt es „I bow to the Divine in You“. Sozusagen ein respektvoller und im besten Sinne anerkennender Gruß von Gott zu Gott.

Mit diesem Gottsein geht allerdings auch eine gewisse (Selbst-) Verantwortung einher. Wenn man sich dafür entscheidet, (auch, ein Teil von) Gott zu sein, dann sollte man sich bitte ein kleines bisschen göttlich verhalten – anderen und ebenfalls sich selbst gegenüber. Bei manchen Menschen hat der gute alte Spruch „behandle jeden so, wie du selbst behandelt werden möchtest“ eher den Charakter einer Drohung. „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Ja, bitte. Das Grundgesetz gilt gleichermaßen für sich selbst. Und Würde ist hier großgeschrieben, nicht als Konjunktiv gemeint.

DEINS? NEE, MEINS. (ODER UNSER?)

Brahma oder Brahman? Genau hier liegt am Beispiel des Hinduismus ein Missverständnis zugrunde, das nach meinem Verständnis in vielen Religionen und Regionen die Grundlage für (schlechte) Politik und Macht(-spiele) geschaffen hat, wo eigentlich Liebe, Dankbarkeit, Freude und vor allem Mitgefühl und Miteinander ihrem Platz bekommen sollten. Ein einzelner Buchstabe, ein schlichtes n kann hier den entscheidenden Unterschied ausmachen.

Geht es um den einen Schöpfer (Brahma), der zusammen mit seinen Kollegen Vishnu (der Erhalter) und Shiva (der Zerstörer) als göttliches Führungstrio oben an der Spitze steht? (Wo bleibt da eigentlich die Geschlechterquote?) Oder um das alles durchdringende, göttliche, namenlose, formlose, ewig absolute, allem innewohnende Prinzip, das – trotz Namenlosigkeit – „Brahman” genannt wird? Frei nach Star Wars könnte man sagen, „Möge die Macht mit Dir sein“ wurde ersetzt durch „meine Macht, nicht Deine Macht, und die ist auch nur mit mir“. Alternativ formuliert mit Grüßen an Gollum, den Herrn der Ringe und in anderer Diktion: „Mein Schatz! Nicht Deiner.“

From EGO to ECO, also von vielfach sehr ausgeprägter Ichbezogenheit hin zu echter Gemeinschaft: Rein auf dem Papier in Buchstabenform liegt der Unterschied, der Weg dorthin „lediglich” im Entfernen eines kleinen Strichs. Ein Strich, ein Streich, ein Streichholz?

Wenn ein (vermutlich, vermeintlich christlich sozialisierter) Mensch früher in Europa sagte, dass er Gott sei, dann wurde er (gerne auch: sie) schnurstracks auf dem nächstbesten Scheiterhaufen verbrannt, soviel zu Streichhölzern. Wenn ein Mensch diese Aussage in fernöstlichen Regionen dieser Erde tat, antworteten die anderen: „Na, endlich hat er’s kapiert.“

Gott und die Welt? Nein, Gott = die Welt. Und andersrum: die Welt, die Natur, das Universum und wir selbst: alles richtig göttlich. Falls einfach Jede und Jeder ein Teil von diesem Ding oder Wesen mit Namen „Gott” ist (und dazu gehören neben uns Menschen dann auch Tiere wie die Hühnerrasse namens „Brahma”, ebenso Pflanzen und insbesondere Bananen), dies mit Hirn & Herz versteht und sich möglichst auch so verhält, sich selbst und anderen gegenüber, dann wäre der Schritt vom ellenbogenstarken Ego hin zu synergetischer Symbiose vielleicht getan. Ein wichtiger Schritt hin zu „New Way of Working (and Living) Together” und damit ein wahrer Quantensprung – und diese Sprünge auf ein neues Energieniveau sind aus unserer Makroperspektive ja eigentlich gar nicht mal so riesig.

AUSTAUSCH UND VERBUNDENHEIT

Nun habe ich den Text mit einem deutlichen Nein hinsichtlich göttlicher Allmacht(sfantasien) begonnen, ein Ja mag ich allerdings mindestens genau so gerne. In diesem Kontext sogar noch lieber, denn solch ein Nein schafft meistens Abgrenzung (die in vielen Lebensbereichen immens gesund und hilfreich ist). Ein Ja jedoch erzeugt Verbindung, die mir insbesondere in Anbetracht von Menschlichkeit und Miteinander noch weitaus wichtiger zu sein scheint.

„Allmächtige Augenhöhe“ anstatt Ab- und Ausgrenzung: Wenn wir wieder das Natürliche in uns selbst entdecken, dann sind wir vermutlich im selben Moment ebenso beim Göttlichen angekommen. Mindestens bei uns selbst. Und auch hier lohnt der Blick hinter die Kulissen.

Forscher haben nachgezählt: Jeder Mensch hat drei mal zehn hoch dreizehn Körperzellen. Zunächst klingt das vielleicht noch nicht allzu beeindruckend, aber insgesamt sind es rund 30 Billionen beziehungsweise 30.000.000.000.000 Stück, so ungefähr. Jedenfalls mehr als Sterne in unserer Galaxis. Ungefähr alle sieben Jahre haben sich fast alle diese vielen Zellen in unserem menschlichen Körper komplett erneuert und wurden ausgetauscht. (Ausgenommen sind davon die Zellen in unseren Augenlinsen, Eizellen sowie auch die Nervenzellen in unserer Großhirnrinde.) Wie wäre es wohl, wenn wir Menschen uns als die Zellen in einem großen, gemeinsamen Organismus betrachten würden?

Verschiedene Dinge könnten resultieren: Der Umgang mit dem Tod könnte entspannter werden, wenn wir diesen ganz natürlichen Kreislauf des Lebens, der ständigen Erneuerung verstehen und akzeptieren. (In uns selbst bleibt uns dazu auch kaum etwas Anderes übrig.) Der Umgang miteinander könnte sich verändern, wenn wir uns – jeweils und insgesamt miteinander – als Teil eines großen Ganzen verstehen würden. Und auch der Umgang mit Diversität könnte im wahrsten Sinne „natürlicher“ werden – oder hält sich eine einzelne Zelle unseres Körpers für etwas Besseres?

Ist jede dieser 30 Billionen Zellen selbstbestimmt? Kann sich jede Zelle vollkommen frei entscheiden, ihrem Leben einen Sinn, eine Bestimmung zu verleihen? Auf zellulärer Ebene ist genau dieser Aspekt von Partizipation wohl nur gering ausgeprägt. „Hey, ich möchte lieber eine Leberzelle sein!” Nö, hier übertrumpft die Vorbestimmung die Mitbestimmung. Wobei gemäß Epigenetik auch Zellen ein gewisses Eigenleben, generationsübergreifendes Gedächtnis und Lernvermögen haben. Allerdings ist eins ganz sicher: Jede einzelne Zelle weiß, dass sie #Purpose hat, also einen echten Sinn und eine wichtige Aufgabe im Leben. (Außerdem gibt es für alle Zellen täglich Home-Office.) Partizipation im Sinne von echter Teilhabe und sinnvoller Mitwirkung ist – den Blinddarm vielleicht ausgenommen – überall der Fall. All dies steckt also bereits fest verdrahtet in uns, ganz automatisch und natürlich. Dann wird es wohl auch Zeit, es ebenso im größeren Verbund gut hinzubekommen.

MULTIPLE MÖGLICHKEITEN: FADENSCHEINIG, WILD SCHWINGEND UND ECHT STAUBIG

Jeder Mensch als Teil eines gemeinsamen großen Ganzen, als Gemeinschaft und Gemeinde, alles und alle sind verbunden: Ist dieses Bild mein persönlicher Wunsch nach einer Art von String-Theorie für die Menschheit? Eine Idee, ein Prinzip, eine Theorie, die das Große (Newtons Gravitation, Einsteins Relativität von Raum und Zeit) mit dem richtig Kleinen (Quantenphysik, Quarks, Neutrinos & Co.) in Einklang bringt? Gut möglich. Wie wäre es denn, wenn wir uns selbst als „Strings“ betrachten würden? Wie ein harmonisches Streichorchester, selbstorganisiert und ohne Dirigent. Als schwingende Fäden, als Saiten eines größeren „Instruments“, die gemeinsam klingen? Und die ebenso unterschiedliche Eigenschaften wie auch verschiedene Dimensionen haben – von denen wir viele gar nicht in jeder Art und Wirkung bewusst wahrnehmen können?

Wenn die String-Theoretiker ansatzweise richtig liegen, dann besteht die Chance, dass sehr viele parallele Extradimensionen existieren. Wie viele? So viele, dass es für diese Zahl nicht einmal mehr einen Namen gibt, die ungefähr so aussieht:

100.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000.000. Also wirklich viele. Und alle unterschiedlich. Das nenne ich mal echte Diversität.

Einige davon sind vermutlich ziemlich winzig, und wohl nicht alle dieser Dimensionen wären für uns Menschen bewohnbar, weil in ihnen nicht zwangsläufig die Naturgesetze gelten, an die wir uns gewöhnt haben. Dennoch: Bei aktuell knapp acht Milliarden Menschen hätten Jede und Jeder also eine Menge Möglichkeiten in diesen multiplen Dimensionen. Viel Platz, um sich ganz individuell auszutoben. Nett wäre es natürlich schon, wenn sich herausstellt, dass dazwischen dank der schwingenden Strings auch entsprechende Querverbindungen bestehen und wir also nicht alle parallel zueinander, sondern verbunden und miteinander existieren. Aber vielleicht ist das auch wieder eine Frage der persönlichen Einstellung.

Machen wir einen kleinen Ausflug: Ins Universum und zurück. Wobei „zurück“ etwas gewagt formuliert ist, denn wir sind ja mittendrin. Und genau darum geht es auch bei diesem Ausflug. Denn wir sind Sternenstaub. Nicht mehr, keinesfalls weniger. Da kann jetzt auch niemand eine Ausnahme machen, wir Menschen bestehen allesamt aus den Überresten von Sternen. „Interstellarer Müll“ klingt nicht sonderlich charmant. „Mosaik aus vergangenen Himmelskörpern“ vielleicht schon eher.

DAS L-WORT

Wie Tina Turner bereits fragte: What’s love got to do with it? Die folgende Eselsbrücke habe ich schon einige Male erzählt – und tue es jedes Mal erneut von Herzen gerne. Weil es eindeutig den romantischsten Maultier-Überweg darstellt, der mir je begegnet ist.

Quizfrage: Was waren die ersten vier Elemente nach dem Urknall, aus denen sich unser Universum zunächst zusammengesetzt hat, als es vor 13,8 Milliarden Jahren beschloss, plötzlich aus dem Nichts aufzutauchen? (Googlen gilt jetzt nicht, es gibt auch keine Noten – weder für falsche, noch richtige Antworten.) Genau, es waren Wasserstoff, Helium, Lithium und das weniger bekannte Beryllium. Als ich dies eines Tages in einer Zeitschrift las, wollte sich der Streber in mir das irgendwie merken. Die vorab genannte Eselsbrücke wollte also gebaut werden. Und ganz ehrlich, in diese Querverbindung als Lernstütze habe ich mich sofort verliebt. Wasserstoff, Helium, Lithium, Beryllium … ganz einfach: WA-HE LI-BE. Wahrscheinlich sind das R und das E auch bei Ihnen fix & intuitiv im Geist hinzuaddiert worden.

Sternenstaub, dem irgendwie auf wundersame Weise Leben eingehaucht wurde und der aus wahrer Liebe besteht? Der unser aller Baumaterial ist? Wie steht es auf dieser Basis mit zwischenmenschlicher Verbundenheit? Und darüber hinaus? Einfach mit allem um uns herum? Lassen Sie das gerne einfach mal so im (Welt-) Raum stehen. Den Rosamunde-Pilcher-Romantik-Award möchte ich dafür allerdings eines Tages schon sehr gerne verliehen bekommen. Und falls es doch dieser Herr mit dem Masterplan auf der Wolke war, der sich das alles ausgedacht hat: Respekt.

EGOZENTRIK? ABER GERNE!

Ist denn nun die Liebe als Eselsbrücke der Ursprung von allem? Und ist dieses Alles nun Gott oder Natur oder alles dasselbe? Will ich wirklich mit dem Typ von nebenan, der immer so komisch kuckt, seltsam spricht und merkwürdige Musik hört, sogar auf Quantenebene verbunden sein? Vielleicht gibt es ja für genau ihn dann doch eine eigene Dimension. Im Alltag hat vermutlich selbst göttlich-liebevolle Verbundenheit gewisse Grenzen. Herrje, auch als Gott ist man schließlich nur ein Mensch.

Muss ich mich eigentlich in irgendeiner Form für irgendetwas im Leben engagieren und anstrengen, wenn die Quantenmechanik mathematisch-physikalisch nahelegt, dass immer alle Möglichkeiten parallel existieren? Während ich das hier schreibe, liege ich laut Max Planck, Niels Bohr und Kolleg*innen also gleichzeitig ganz entspannt irgendwo am Strand, das ist sehr nett.

Zurück zum Start: Wenn die klugen Quantenforscherinnen und -forscher also Recht haben, dann bin ich definitiv Gott. (Ja, Sie und Du natürlich auch.) Und parallel auch wieder nicht – und ebenso alles dazwischen. Schließlich ist ja alles möglich. (Wobei hier die Frage erlaubt sei, ob man analog zu einer Schwangerschaft überhaupt „ein bisschen Gott sein“ kann – oder nur ganz oder gar nicht.) Nachdem ich vorhin schon so vorlaut war zu behaupten, ich wäre Gott (genau wie Du und Sie), möchte ich jetzt noch eins draufsetzen: Ich bin das Zentrum des Universums. Ohne jeden Zweifel. Und das Schöne dabei: Sie auch – und Du erst recht. (Zumindest in Bezug auf das sogenannte sichtbare Universum. Oder die vielen verschiedenen Multiversen mit ihren unzähligen Extradimensionen.) Und vermutlich gilt das ebenso für den Typen von nebenan.

Einfach jeder Punkt in unserem Universum ist dessen Mittelpunkt. Ganz egal, wo man auch steht: Von jedem einzelnen Fleck aus driftet alles andere in alle Richtungen fort. Echt jetzt. Ist so. (Vermutlich schaltet sich das Gehirn hier kurz auf Stand-by, mir selbst geht es jedenfalls an dieser Stelle immer so, wenn ich es mir bildlich vorstellen will.)

Ob nun Expansion des Universums, ständige Zellerneuerung, Neuroplastizität oder schlichtweg „Leben“: Alles verändert sich, andauernd. Jeder Mensch (auch der Typ von nebenan) ist eine lernende Organisation mit permanenter Transformation, nicht nur in der Theorie, auch ganz real da draußen in der Natur. Das japanische Kaizen als Prinzip kontinuierlicher Entwicklung und Verbesserung, Zazen aus der buddhistischen Zenpraxis als meditatives Sitzen und (Sich selbst Er-) Leben, hey! – auch in Egozentrik steckt das Wörtchen Zen schon mit drin, sogar mit einem Trick am Ende, der super funktioniert, wenn man es nicht übertreibt, dazu noch eine Portion Selbstmitgefühl und gleichzeitig Mitgefühl für andere kombiniert. Einfach sensationell.

Wir können uns also im Leben gar nicht gegen Entwicklung und Fortbildung wehren, die sind sozusagen schon fest mit eingebaut. Dafür ist genau solch ein vorabgenannter Offline- oder Stand-by-Modus manchmal gar nicht schlecht.

VOLLKOMMENE KONFUSION UND FESTER GLAUBEN

Bei der Hypnose, die ihren Ursprung in Hýpnos, dem griechischen Wort für Schlaf hat, gibt es die sogenannte Konfusionsinduktion. Dabei überfrachtet man unseren Hauptrechenspeichern im Oberstübchen so ein wenig, bis dieser dann kurzentschlossen einen Urlaubsantrag einreicht und auf Stand-by geht. „Falls Sie mich nicht brauchen, Sir, schalte ich jetzt ein Weilchen ab.“ So hat es der goldige C3PO in Star Wars formuliert. Permanent auf konzentriertem Hochbetrieb? Da brennen nicht nur bei C3PO irgendwann die Schaltkreise durch, auch Kreativität und Regeneration würden mächtig leiden.

(Apropos „Schlaf”: Vor einigen Jahren hat der Sänger Prince in einem Zeitungsinterview die interessante Anekdote aus der Bibel wiedergegeben, dass dort gleich zu Beginn beschrieben wird, wie Adam in einen tiefen Schlaf fällt. Nur sei dort nirgends erwähnt, dass der gute Adam je wieder daraus erwacht ist. Prince mutmaßte weiter: Vielleicht sind wir alle auch einfach nur Bestandteile eines wirklich sehr, sehr komplexen Traums? In sogenannten luziden Träumen oder Klarträumen weiß man übrigens, dass man träumt – und kann diese auch in einem gewissen Maß beeinflussen. Falls wir also alle träumen: viel Spaß und gute Unterhaltung! Und wer will, kann auch ein Stück weit mitbestimmen.)

Nachdem vorhin bereits die Rede war von 30 Billionen und einer Eins mit 500 Nullen: Sich sowohl die Dimensionen im Großen (Weltall, Galaxien, schwarze Löcher, weiße Zwerge und dergleichen) wie auch diejenigen im ganz Kleinen (Quanten, Quarks, Strings) vorzustellen, das überfordert so gut wie jedes menschliche Gehirn. Und dabei haben wir in unserem Oberstübchen knapp 100 Billionen Hirnzellen (aktuelle Zahlen sprechen von 86 Billionen, doch möchte ich hier nicht kleinlich sein). Jedes dieser Neuronen hat durchschnittlich 1.000 bis 10.000 Verbindungen zu seinen Artgenossen. Na, fix mitgerechnet? Genau richtig, man kommt als Mensch also auf mindestens 100 Billionen bis zu einer Trillion Synapsen, neu- und wissbegierige Personen haben vielleicht sogar noch zwei oder drei mehr. Und auch mit all diesen Querverbindungen im Kopf und trotz ganz viel Fantasie können wir uns vieles in uns und um uns herum so gar nicht vorstellen. 

Ein Universum, in dem jeder Punkt der Mittelpunkt ist? (Auch der Typ von nebenan.) Können wir uns wirklich vorstellen, dass wir nur vier bis fünf Prozent der Bestandteile dieses Universums ansatzweise kennen? Dass sich Raumzeit krümmen kann? Dass wir Menschen aufgrund des Aufbaus der Atome zu 99,9 Prozent aus Nichts, aus purer Leere bestehen? Und dass wir trotzdem soviel können, denken und fühlen? Dass Materie sich in Energie umwandeln kann – und umgekehrt? Dass alles aus Quanten und/oder Strings besteht, die sich wirklich sehr, sehr seltsam verhalten? (So ein bisschen wie der Typ von nebenan.)

Während der letzten zehn Sekunden sind übrigens 600 Milliarden Neutrinos durch jeden Quadratzentimeter von Ihnen, Dir und mir (jeweils) geflogen. Einfach so. Ich weiß ja nicht, wie es Dir und Ihnen dabei geht, aber meinen Verstand überfordern diese Zahlen, diese Größenordnungen und Vorstellungen absolut. Wenn es vielleicht doch jemanden, nennen wir ihn oder sie oder es gerne „Gott“, gegeben hat, der sich all das vor 13,8 Milliarden Jahren – oder sogar noch viel früher – ausgedacht hat, dann hat er/sie/es jedenfalls meinen allerhöchsten Respekt und vollste Bewunderung. Aber das weiß er/sie/es ja schon längst, weil das dann bereits von Beginn an Teil des großen Plans gewesen ist. (Wenn man sich das mal etwas genauer anschaut: Ganz schön krass, mit dem Urknall erst so anzugeben, um dann später all das Lob dafür einzusammeln.)

Nach einem Vortrag über die Relativität von Raum und Zeit soll sich einmal ein Zuhörer empört an Albert Einstein gewandt haben: „Was Sie da eben gerade ausgeführt haben, das ist mir alles viel zu spekulativ. Wir sind doch nicht in der Kirche. Nach meinem gesunden Menschenverstand kann es nur das geben, was man sehen und überprüfen kann.“ Daraufhin soll Einstein gelächelt und sinngemäß erwidert haben: „Dann kommen Sie doch mal nach vorne und legen bitte Ihren gesunden Menschenverstand auf den Tisch!“

Skepsis gegenüber dem, was wir nicht sehen und wortwörtlich auch nicht begreifen können? Das erleben wir tagtäglich. Bei anderen und vielleicht gelegentlich auch bei uns selbst. Und ein gesundes Maß an Hinterfragen, Ungläubigkeit und Zweifel ist sicherlich genau dies: gesund. Nichtsdestotrotz nutzen wir ganz selbstverständlich und ebenso alltäglich haufenweise Dinge, die die meisten von uns rein gar nicht verstehen. (Oder wissen Sie bis ins kleinste Detail, wie dieses Internet funktioniert? Ich persönlich weiß beispielsweise in keinster Weise, wie genau der Motor meines Autos es schafft, dass ich von A nach B komme. Trotzdem glaube ich jedes Mal ganz fest daran, dass es klappt.)

Ob nun auf reiner Zahlenebene oder angesichts der fantastischen Dimensionen des Universums, unseres Körpers und Gehirns: Statt beim Vorstellen meinen Verstand zu riskieren und vollständig oder gar dauerhaft in die Konfusion abzudriften, finde ich es ebenso praktisch wie auch wunderschön, mich gleichermaßen über all dies immer wieder zu wundern und ganz kindlich zu staunen.

Wissenschaft und Humanismus sind toll und wirklich wichtig, aber sie haben womöglich auch gewisse Grenzen. Wenn immer alles rein empirisch, evidenzbasiert und voll vernünftig ablaufen würde ... wer hat denn schon mal Liebe, Mitgefühl oder Dankbarkeit, tatsächlich ein echtes Neutrino, Photon oder Elektron so richtig evident vor sich auf dem Tisch liegen sehen? Nee, nee, nee: Ich zumindest glaube auch an das Eine oder Andere, das man nicht konkret beobachten, messen oder anfassen kann. Und ist der gesunde Menschenverstand eigentlich ganz kerngesund? Oder lediglich vernünftig? Falls es Vernunft ist: Was verleiht uns dabei die erforderliche Schwerkraft, um stets ganz vernunftgesteuert auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben – im übertragenen Sinne wie ganz real?

NA, ENDLICH! (GESTERN NOCH EINÄUGIG BLIND)

Über Newton und seinen Apfel ist die Forschung längst hinaus. Mittlerweile können wir Gravitationswellen aufspüren. Vor gar nicht langer Zeit wussten wir nicht einmal, dass wir sie nicht kennen. Oder dass wir sie vermissen. Mit Bezug auf „Quanten-Irgendwas“ und „String-Sonstwieviel” kann man sowieso fast jedem Laien (auf gewisse Weise sind wir das wohl alle, selbst Nobelpreisträger aus diesen Fachgebieten sind regelmäßig verwirrt und wundern sich ständig) irgendwie fast alles erzählen. Quantentunneleffekte, Katzen, die gleichzeitig tot und lebendig sind (und trotzdem keine Hauptrolle bei The Walking Dead auf Netflix spielen), schwingende Multiversen mit fünfhundert Nullen, eine Welt aus (mindestens) zehn oder elf Dimensionen, von denen wir maximal vier bewusst wahrnehmen … da kommt eigentlich kein Gehirn so richtig mit.

Dass wir ein Blatt Papier auf der einen Seite der Erde in eine Maschine stecken und der Inhalt auf der anderen Planetenseite wieder herauskommt? Kalter Kaffee, so ein Fax. Eine WhatsApp-Nachricht von Tokio nach Tempelhof? Das muss aber bitte fix gehen mit 5G. Dass dabei Satelliten, Internet, WLAN-Kabel und diese Neulandsache namens #Digitalisierung eine Rolle spielen, die alle vor einhundert Jahren irgendwo zwischen Science-Fiction, Zauberei und wilder Fantasie angesiedelt worden wären – auch das ist ebenso ein temperaturarmes Koffeingetränk. Quarks und Strings, die kein einziger Mensch jemals gesehen hat, akzeptieren wir – weil’s eben Wissenschaft ist. Und machen dabei Quantensprünge, ohne es zu merken.

Zwischendurch sollte dieser Artikel „Wie ich Gott sehe und verstehe“ heißen. Der potenzielle Untertitel als selbstgegebene Antwort dazu lautete: „Im Spiegel, auch überall sonst und eigentlich gar nicht und das ist auch gut so.” Allmächtigkeit mag ich nur dann, wenn sie wirklich JEDE/R hat und nutzt (und das schließt auch den Typen von nebenan mit ein) – oder andernfalls dann bitte KEINE/R. Wenn sie nur sehr wenige haben oder gar nur ein Einziger hat, dann mag ich sie nicht, die Allmacht. Falls dieses Wunschbild und die dafür genannten Rahmenbedingungen echte Blasphemie darstellen, so muss und kann ich damit leben.

Sofern die Reaktion auf diese Zeilen und Gedanken nun nach dem oben schon genannten Motto „Endlich hat er’s kapiert!“ ausfällt, weil gänzlich triviale Dinge ausgesprochen wurden, die außer mir alle anderen längst wussten, dann möchte ich mich hiermit in aller Form in den Sternenstaub werfen, wegen Begriffsstutzigkeit und akuter Langsamkeit um Verzeihung bitten. Sollte ich dabei jemandem auf gotteslästerliche Weise mächtig auf die religiösen Füße gestiegen sein, bitte ich von sofortiger Verbrennung auf dem Scheiterhaufen oder dem Starten fieser Shitstorms möglichst abzusehen. Sollte absolute Unfehlbarkeit eine elementare Eigenschaft und zwingende Voraussetzung für Menschlichkeit und gutes Miteinander sein, dann muss ich an dieser Stelle wohl passen und vieles aus den vorangegangenen Gedankenspielen revidieren. Und falls nicht: Dankeschön. Auch fürs Lesen bis genau hierher. Und jetzt ist’s dann auch mal gut mit all dem Text. <Ende>

Frohes neues Jahr!
Und: Namaste.

… weil bunte Bilder immer gut sind, gibt es hier noch Impressionen zu den vielen Worten:

Andreas SteffenComment